Tod durch Ersticken

Kindermissbrauch bis zum Tode. Zwanzig Kinder habe ich verloren. (“…alle 21 Opfer durch Ersticken umgekommen seien…”)

(“…Loveparade: Tod durch Ersticken
Die Obduktionsergebnisse der 20 Todesopfer der Loveparade 2010 liegen vor. Alle Opfer kamen durch Brustquetschungen ums Leben. Sie sind erstickt und nicht, wie angenommen, gestürzt. Drei Tage nach der Massenpanik hat noch immer niemand Verantwortung übernommen…”)

Fünfhundert sind verletzt worden. Mein Sohn oder meine Tochter hätten auch darunter sein können. Mit meiner persönlichen Angst vor solchen Massenveranstaltungen hätte ich sicher meinen Kindern gesagt, geht nicht hin, ist zu viel, wird nicht gut ausgehen, ist zu gefährlich. Sie hätten mich mit ihrer Freude verstummen lassen und mir verdeutlichen, dass wir doch in einem zivilisierten Land leben mit Gesetzen und Ordnung und du hast uns immer gesagt, es sei ein großer Fortschritt der Zivilisation und dann der Demokratie, wenn und dass sich alle an Gesetze, Vereinbarungen und Vorschriften zum Wohle von Allen halten würden. Wieso dürfen wir uns darauf bei einer Großparty nicht verlassen? Sicher wäre ich verstummt und hätte zugenickt, weil sie sich darauf freuen. Wenn Kinder tot sind, sind sie auch unerreichbar.

Ich habe den Blog-Eintrag und die Kommentare gelesen, und fragte mich: Was soll ich dazu noch sagen? Soll ich überhaupt was schreiben und wozu? Es war ein Kampf zwischen Wut und Resignation, zwischen hilfloser Verzweiflung und nicht aufhören können nachzudenken. Angenommen, es wären nur die genehmigten 250.000 auf das Gelände der LP in Duisburg rein gelassen worden: wie kann jemand auf die Idee kommen, diese Menge an Menschen zu einer Veranstaltung durch einen Tunnel kommen und gehen zu lassen? Aber es waren wohl sehr viel mehr. Verantwortung?

Sehe ich bei den Gastgebern. Es ist nämlich sonst kein anderer da, der diese Menge an Menschen eingeladen und damit gesagt habe, kommt nach Duisburg feiern, wir regeln es schon, dass es gut ausgeht. Die, die feiern wollten, haben sich auf die Gastgeber verlassen und sich als Gäste einer Party verhalten. Den Gästen der LP ist nicht vorher gesagt worden, dass mit ihnen gleich verfahren wird, wie mit den Masthühnern in einer Massenzuchtanlage, die Menge macht es, alles andere ist wohl egal gewesen – interessant ist nur Profit und Schlagzeilen. Die Gastgeber werden wohl alle Regeln übertreten haben. Habe ich meinen Kindern was falsch weiter gegeben, hätte ich mehr aufpassen müssen?

Wir alle müssen mehr aufpassen. So langsam macht sich in unserem Gemeinwesen eine Unsitte breit, die am besten mit Chaos von Verantwortung und Gier beschrieben wird. Duisburg ist ein Meilenstein für den Verfall der Sitten. Nehmen wir nur die seit spätestens 2007 für alle sichtbare Finanzkrise. Diejenigen, die daran verdienen, haben alles dafür getan, die Krise zu verschleiern. Insgesamt muss dann die Masse der Bürger für die Regelverletzung von ein paar wenigen zahlen. Vorne beschwichtigen und hinten melken – aber eigentlich heißt es, wir sollen mehr konsumieren. Naja, sei es drum – es ist wie im Krieg: die Obrigkeit meint, der Krieg ist wichtig, der Bürger soll für diese Meinung sein Leben geben. Diejenigen, die es warum auch immer frustriert, die gehen aus dem Amt und werfen die Verantwortung der Gier einer systemrelevanten Fressgemeinschaft vor. Die Demokratie wackelt, es werden Regeln übertreten – fast regelhaft.

Es wird von Interesse sein, ob das Verfassungsgericht all die Regelverletzungen bei dem 750 Mrd.-EU-Rettungsschirm der Bundesregierung durchgehen lassen wird.

Aber, ich kann sie beruhigen. Gehen sie doch zu Entspannung zum Wagner nach Bayreuth und machen Festspiele. Dort werden keine Andersdenkende hereingelassen und mit Panik ist auch nicht zu rechnen. Diesmal spielen Ratten auf der Bühne. Sie müssen sich dazu nur regelkonform anziehen.

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